Ein Ausschnitt aus dem wohl großartigsten Interview (oh, schon wieder ein Superlativ), das ich je von Christian Kracht gesehen, gelesen, gehört habe. Der Autor Christian Kracht (Faserland, Ich werde hier sein im Sonnenlicht und im Schatten, Der gelbe Bleistift, 1979) bei Harald Schmidt (2001).
Tag Archiv für ich hasse berlin
Dinge, die die Welt nicht braucht. Teil 2.
Ich habe mich dazu entschlossen, die Rubrik doch ein wenig abzuändern. Anstelle von kurzen Beschwerde-Texten, sind mir nämlich ein paar Dinge eingefallen, über die ich mich gerne länger auslassen würde… und ellenlange Blog-Texte sind ja eher langweilig. Heute wende ich mich einer ganz wunderbaren Stadt zu: Berlin.
…Berlin: Berlin, eine Stadt in der die Frage „Mit oder ohne Darm“ mehr von Bedeutung ist, als irgendwo sonst. Ein Ort an dem die Menschen sich mit ihren Stoffbeutelchen, die sie für 20 Euro in einem In-Laden in Prenzlauer Berg erworben haben, in süßen kleinen Cafés herumtreiben und über das Leben philosophieren. Die süßen kleinen Cafés sind aber leider so unglaublich dreckig und ranzig sind, wie auch der Rest der Stadt. Nie zuvor habe ich irgendwo mehr Müll, Dreck, Ranz, Hundehaufen und Besoffene auf der Straße liegen sehen, wie in Berlin. Auf Gartenstühlen sitzen die Leute mit ihren Café-Getränken, in ihren Hoden und Schamlippen zuschnürenden Slim-Jeans draußen und fotografieren mit ihren Spiegelrelfexkameras ihr aufregendes Leben.
An jeder Straßenecke wird eine neue Ausstellung eröffnet, in der Sachen ausgestellt werden, für die ich persönlich den Sperrmüll rufe. Vielleicht fehlt mir auch einfach das künstlerische Gen. Vielleicht habe ich es deswegen auch nie verstanden, warum in Berlin die Menschen im Trend sind, sobald sie in Schlafanzug-ähnlichen Klamotten auf die Straße gehen. In Berlin bist du chic, wenn du stinkst oder dreckig bist! Was ich mich außerdem immer gefragt habe…was hat die ganzen Menschen dazu veranlasst, zu denken, sie wären so unglaublich besonders. Sie sind alle nur mal irgendwann nach Berlin gezogen und binden es jetzt jedem auf die Nase, als hätten sie dadurch auch nur irgendetwas erreicht.
Ihr seid keine verdammten Künstler, nur weil ihr in einer Stadt wohnt, in der eigentlich keiner so richtig weiß, was er eigentlich will. Da sitzt ihr jetzt in Parks, esst euern Bio-Fraß, den man in Berlin an jeder Ecke kaufen kann oder zieht durch angesagte Elektro-Clubs und definiert euch über eine Stadt, die eigentlich viel mehr Schein als sein ist. An den Feiertagen kehrt ihr zurück in die Heimat und erzählt allen, dass es so mega langweilig überall ist und in Berlin ja viel mehr los ist, weil da alles so anders ist.
Wahrscheinlich liegt es weniger an der Stadt, als viel mehr an den Menschen die dort wohnen oder denen, die dort gerne wohnen würden. Danke Mama, danke Papa, dass ihr mich nicht zu einem trendgeilen Freak erzogen habt. Liebe Neu-Berliner, bleibt so laser wie ihr seid, aber bitte ohne mich. Ich bleibe hier in Köln, Helmstedt oder sonstwo auf der Welt. Da kann man die Berliner wenigstens essen.Ick hass dir, meen Berlin!



