…Koch- und Spiele-Abende: Was gibt es Besseres als den Freitag-Abend mit ein paar lustigen Menschen zu verbringen und sich bei ein paar Gesellschaftsspielen mal so richtig zu amüsieren? Was macht mehr Spaß als so richtig intensiv Paprika zu schneiden? Was gibt es Schöneres als drei Stunden lang auf’s Essen warten, um sich dann in einer trauten Runde ansehen zu müssen, dass 99% der anwesenden Menschen keine Tischmanieren haben?
„So gegen sieben“ treffen sich alle, damit noch genügend Zeit zum „Gemüse schnippeln“ ist. Am besten „jeder bringt was“ mit, damit das Ganze auch wirklich zu einem richtig schönen Gemeinschaftserlebnis wird. Wichtig ist auch das Gastgeschenk: Eine Flasche Billigwein, die dann mit den Worten „Oh man, sorry, der ist zwar voll billig, aber echt total lecker“ freudestrahlend überreicht wird.
Jeder bekommt ein kleines Schneidebrett und ein Messer, das ungefähr so gut schneidet als käme es direkt aus der Fisher-Price-Kiste. Es wird dann ganz viel gelacht und alle freuen sich, weil es ja so viel Spaß macht zusammen zu kochen und es zu fünft am 1 m²-Küchentisch auch gar nicht zu eng ist. Es wird natürlich alles im „veggie-style“ zubereitet, damit der Quoten-Vegetarier auch was zu beißen hat und auf einmal sind alle der Meinung, dass man „ja auch nicht immer Fleisch essen muss“. Achso.
Das Essen verläuft daraufhin nach dem Motto „Wer am meisten „mmhhhhhhh“ macht, bekommt den größten Nachschlag“. Lobhudelei auf die „tolle Kochgruppe“ kommt gut an und wird gerne durch Sprüche wie „Wir sollten uns echt beim perfekten Dinner anmelden, hihi“ oder „Das haben wir echt gut gemacht, finde ich, ne?“ untermalt werden. Des Weiteren wird auch gerne hervorgehoben, „dass es ja echt total günstig war, so zusammen“ und das man das „ja auch ruhig mal öfter machen könnte“. Vor allem bei Studenten ist der „Also in der Mensa schmeckt‘s ja nicht so gut“-Satz direkt nach „Wirklich toll, dass es so gut schmeckt UND auch noch total gesund ist“ sehr beliebt.
Vielleicht kann man danach auch „noch was spielen“ oder „‘ne DVD gucken“. Gespielt wird meistens „was aktives“, damit man „nicht nur rumsitzt“ und dann wird bei „Activity“ und „Tabu“ stundenlang im „Gemeinschaftsraum der WG“ herumgehampelt. Zwischen ein und zwei Uhr gehen die meisten nach Hause, nachdem es endlich einer der Gruppe geschafft hat den gefährlichen Satz „Ist ja schon spät!“ auszusprechen. An der Tür umarmen sich alle und man bedankt sich nochmal für „voll schönen Abend“ und gibt auch nochmal zu verstehen, dass man „schon ein bisschen BESCHWIPPST ist und morgen BESTIMMT Kopfschmerzen hat!“. Zurück bleiben meistens die, die dem Gastgeber noch gute zwei Stunden erzählen, dass sie „woah ja echt immer die letzten sind, ey“ und das Gähnen im Sekundentakt als Hinweis auch nach dem 40. Mal noch übersehen und mit „Jetzt schon schwächeln?“ kommentieren.
Ein Koch- und Spiele-Abend ist mitunter das Allerschlimmste was einem Freunde, direkt nach dem Besuch im Freizeitpark, antun können. Wer tatsächlich das unfassbare Glück hat mit einem solchen Freundeskreis gesegnet zu sein, hat mein vollstes Mitgefühl.




