Tag Archiv für Polen

Deutsch-polnische Filmbeziehungen: Wodka trinkende Diebe & arrogante Idioten (moviepilot.de)

© Moviepilot/X-Verleih/Zorro/Constantin Film

Die Polen klauen und trinken den ganzen Tag Wodka. Die Deutschen sind arrogant und dumm. An Vorurteilen mangelt es den deutsch-polnischen Beziehungen nicht. Zum Kinostart von Polnische Ostern mit Henry Hübchen (Alles auf Zucker!), haben wir einen Blick auf die deutsch-polnischen Filmbeziehungen geworfen. In Polnische Ostern soll Werner Grabosch (Henry Hübchen) seine Enkelin nach dem Tod seiner Tochter bei ihrem Vater in Polen aufwachsen lassen. Das ist für Grabosch natürlich ein Unding, weswegen er auf die Reise geht, um Gegenargumente zu finden…

Der Kampf gegen die Vorturteile
Das Bild der Deutschen ist in Polen noch ein wenig angeknackst und so wundert es auch niemanden, dass es selten Filme über die Grenze schaffen. Sowohl in Deutschland als auch in Polen ist das Bild über das jeweils andere Land mit einigen Stereotypen besetzt. Immer öfter lassen sich jedoch auch Spielfilme finden, die sich dies zu Nutze machen. Polska Love Serenade ist eine deutsche Produktion der polnischen Regisseurin Monika Anna Wojtyllo. Die Weihnachtskomödie stellt zwei Klischee-beladene Kulturen auf geschickte Art und Weise gegenüber: Hippie-Anna (Claudia Eisinger) deponiert ihr Auto in Polen und wartet darauf, dass es geklaut wird. Die Versicherung wird es schon glauben. In einem Imbiss lernt sie den Junganwalt Max (Sebastian Schwarz) kennen. Max versucht im Auftrag seines Vaters, das Haus seines schlesischen Großvaters zurückzuklagen, doch dafür braucht er ein Auto. Gemeinsam gehen sie auf die Reise und kommen mit typisch polnischer Küche, weihnachtlichen Bräuchen und viel Wodka in Berührung.

Zuletzt war Christian Ulmen als Frieder im Film Hochzeitspolka (Lars Jessen) in Polen unterwegs. Als etwas verklemmter, deutscher Leiter einer Fabrik hat er in Polen seine große Liebe Gosia (Katarzyna Maciag) gefunden. Kurz vor der Hochzeit taucht seine alte Rockband auf und es kommt zum witzigen Clash der Kulturen. Ernster geht es in Am Ende kommen Touristen (Robert Thalheim) zu. Das schwierige Thema des Holocausts wird durch Alexander Fehling als Zivildienstleistender in Auschwitz vorsichtig angetastet und endet mit der Erkenntnis, dass es noch immer ein sehr sensibles Thema mit beiderseitigen Schwierigkeiten ist. Deutlich wird, dass vor allem eins herrscht: Unwissenheit und daraus resultierende Paranoia.

Bitte nicht zu nah kommen!
Deutlich erkennbar ist in deutsch-polnischen Produktionen oftmals die Berührungsangst beider Kulturen. Dabei spielt die Vergangenheitsbewältigung noch immer eine große Rolle. Vor allem im polnischen Kino steht die Abbildung der Gegenwart im Vordergrund und die damit verbundene Neuorientierung. Den ersten Versuch selbiger zeigt der Episodenfilm Warschau von Dariusz Gajewski. Vorherrschend ist allerdings die beinahe panische Angst vor dem Anderen: In Am Ende kommen Touristen ist es der Bruder eines polnischen Mädchens, der mit angsterfülltem Blick feststellt, dass der Deutsche auf keinen Fall bei ihnen wohnen kann. In Polnische Ostern ist es der Großvater, der seine Enkelin keinesfalls zu ihrem polnischen Vater umziehen lassen möchte und in Hochzeitspolka stellt Frieders Vater fest, dass das Land immer noch unglaublich gefährlich ist.

Vergrabene Filmperlen
Etwas schade ist, dass durch diese Berührungsängste polnische Filmperlen nur sehr langsam und untergründig an Popularität gewinnen. Der polnische Regisseur Krzysztof Kieślowski hat mit seiner 10-teiligen Dekalog Reihe ein wahres Meisterwerk geschaffen. Etwas tiefer gegraben versteckt sich auch Andrzej Wajda, der vor allem für die damalige Solidarnosc Bewegung mit Filmen wie Der Mann aus Marmor oder Der Mann aus Eisen wichtige Werke geschaffen hat. Zum Thema Solidarnosc hat auch der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff mit Strajk – Die Heldin von Danzig 2007 einen wichtigen Beitrag geleistet. Strajk behandelt die Lebensgeschichte einer der wichtigsten Mitbegründerinnen der Solidarnosc Bewegung Anna Walentynowicz mit Katharina Thalbach in der Hauptrolle. Als Geheimtipp des neuen polnischen Kinos möchte ich euch Alles, was ich liebe (2009) von Jacek Borcuch empfehlen.

Erolgreiche deutsche Produktionen in Polen? Fehlanzeige.
Die Auswahl deutscher Filme, die es nach Polen schaffen, ist sehr übersichtlich. Generell werden in Polen nur wenige ausländische Filme synchronisiert. Überwiegend wird gedubbt oder untertitelt. Das wilde Leben oder Goodbye, Lenin! sind deutsche Produktionen, die auch in Polen bekannt sind. Es ist etwas lustig, dass in einer Top 100 der erfolgreichsten polnischen Filme nach 1989, der erste Film mit anteilig deutscher Produktion auf Platz 24 liegt und sich mit Papst Jan Pawel II beschäftigt. Auf Platz 50 finden wir immerhin Der Pianist. In Polen hat der Nationalstolz eine sehr viel höhere Bedeutung als er es in Deutschland hat und ganz passend dazu, liegen auf den ersten 2 Plätzen polnische Großproduktionen nach Romanvorlagen ihrer Nationalhelden Henryk Senkiewicz und Adam Mickiewicz: Mit Feuer und Schwert (1999) von Jerzy Hoffmann und Herr Thadäus (1999) von Andrzej Wajda.

Einziger Lieblingsdeutscher ist übrigens Steffen Möller. Der deutsche Autor (Viva Polonia) spielte in der polnischen Serie M jak Milosc (L wie Liebe) einen Kartoffelverkäufer und wurde damit zum positiven Aushängeschild der Deutschen. Seine Roadmovie-Dokumentation Polen für Anfänger wurde in Deutschland aber trotz (oder wegen?) Kurt Krömer nur mäßig erfolgreich. Mit Polnische Ostern startet jetzt der nächste Versuch die polnisch-deutschen Barrieren etwas zu lockern. Es ist wohl alles eine Frage der Zeit und Generationen, um Vorurteile abzubauen und das europäische Kino mit mehr deutsch-polnischen Produktionen bereichern zu können.

http://www.moviepilot.de/news/wodka-trinkende-diebe-arrogante-idioten-110630

Theater

Vorhang auf. Polen, wie es mir (nicht) gefällt.

Zwischen den raschelnden Blättern, der spärlich verstreuten, abgestorbenen Bäume, leuchtet in einem abartigen rot, die Leuchtreklame des 24 h Alkoholshops. Zapraszamy, brüllt es mir entgegen.  Die wenigen Schritte, die mich von dieser Höhle trennen, reichen nicht im Ansatz aus. In regelmäßigen Abständen höre ich das abgehackte, Bier und Wodka getränkte, Gegröhle, welches aus den vergilbten Mündern von champagner farbenen Plastikstühlen, die stark an Schrebergärten Kantinen erinnern, bröckelt.

Mir gegenüber blinken in verschiedenen Farben, wie bei einer Kinderzimmerlampe, die Fernseher, hintern den Rollos der Nachbarwohnungen. Drei Farben. Weiß, Rot, Blau.

Nur an einem einzigen Fenster, sehe ich einen kleinen, orange-gelb glimmenden Punkt. Der junge Mann, der jeden Tag ein schwarzes T-Shirt trägt, raucht seine tagesletzte Zigarette. Im Nebenzimmer sehe ich seine Freundin den Abwasch machen. Ich denke kurz darüber nach zu winken, entscheide mich, mit dem Gedanken daran, dass er mich auch irgendwann wieder bei Tageslicht sieht, dagegen. Man soll die Sache mit der guten Nachbarschaft ja auch nicht übertreiben. Es ist bei weitem genug, dass auch er weiß, wie meine Boxershorts aussehen, seitdem ich derart freizügig, am letzten Wochenende, die Küchenfenster geputzt habe.

Der Mond strahlt, als müsse er alles, wie ein Bühnenscheinwerfer im Theater, beleuchten und entgegen der guten Nachbarschaft, zeige ich ihm den Mittelfinger, weil mir eben danach ist. Scheiß Strahlung.

Es ist Ende August, doch der kalte Wind, der mir um die Nase weht, fühlt sich später an.
Da ich es mittlerweile für unabdingbar halte, rülpse ich in die Nacht, jedoch nur sehr leise, fast schon seufzend, da es nach 22 Uhr nicht mehr erlaubt ist, die Öffentlichkeit mit lauten Geräuschen zu erregen. Erregend findet dieses Geräusch jedoch mit Sicherheit niemand und für Öffentlichkeit halte ich dieses BigBrother Terrain auch nicht.

Und während ich also am Fenster stehe, beide Arme auf das Fensterbrett gelehnt und der Mond mir so scheisse freundlich in die Fresse strahlt, stelle ich fest, was mich hier hält und doch mit aller Kraft davontreibt.

Es sind die portionierten, einseitigen Bekanntschaften, die nicht einmal wissen, dass ich täglich, wenn auch nur für ein paar Sekunden ungewollt an ihrem Leben teilhabe.

Die Beziehungen, die um 3 Uhr in der Nacht vor meinem Fenster beendet werden, die Kinder, die nachmittags mit ihren Fahrrädern durch die Blocks zischen und dabei kreischen als ginge es um Leben und Tod, die krächzenden, schwer atmenden Ältesten, die morgens um halb 7 bereits auf ihrer Stammparkbank sitzen und den Tag mit einem Schwatz mit den zur Arbeit hetzenden Familienvätern beginnen.

Die Situationen die mir auf den Sack gehen und doch das Gefühl geben, Teil der ganzen Misere zu sein.

Hier möchte ich bleiben, hier möchte ich weg.

Der tägliche Rhythmus, der sich durch nichts erschüttern lässt. Die (Un)sicherheit, dass alles so ist wie es ist und sich nichts verändert. Die (Un)zufriedenheit, mit der die Menschen sich Tag für Tag ein „Dzien dobry“ wünschen und doch so anonym ein- und ausatmen wie es nur möglich ist.

Vorhang zu. Bis zum nächsten Tag.

 

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